NTE
S★★★★★Nature#1055

Jiuyuan

Ordnung der Zyklen

SchadenBurst-SCHKontrolle
KP14.345
ANG570
VER834
Jiuyuan
Wohnort
Sterry-Express
Geburtstag
24. Juli
Freischaltung (Abenteurer-Level)
4
Max. Erwachen
6
Standardwaffe
None

Maximale Werte

Werte auf Stufe 80 mit vollem Aufstieg

KP

14.345

ANG

570

VER

834

Dossier

Info

Nachdem sie ihren vorherigen Job aufgegeben hatte, ließ sich Jiuyuan in einem relativ entspannten, gewöhnlichen Leben bei Sterry nieder. Der tägliche Betrieb hier ist nicht kompliziert. Pakete verschicken und entgegennehmen, Quittungen prüfen, Klemmbretter zur Unterschrift weiterreichen … Solange der Ablauf klar ist und das Personal verlässlich, stellt das kaum eine Herausforderung dar. Die eigentlichen Kopfschmerzen kommen von Aufträgen, die sich nicht nach Standardprozeduren abwickeln lassen: solche, die Info, Anomalien und die Anomalie-Jäger betreffen, die dazwischen agieren. Kunden mit versteckten Absichten, die mit den Fingern auf dem Tresen trommeln, Käufer, die Anomalien als Deckmantel für heimliche Übergaben nutzen, Kunden, die Gefahrenstufen fälschen, um Sterry in ihre Pläne zu ziehen, ganz zu schweigen vom verworrenen Geflecht der Fraktionen … Diese scheinbar kleinen, aber kalkulierten Probleme sind weit lästiger als jede Paketzustellung. Doch Jiuyuan regelt das alles mit Leichtigkeit. Im einen Moment führt sie einen höflichen Smalltalk mit einem Kontakt in einem Bankettsaal, im nächsten steht sie am Ort einer Zielübergabe und räumt den Scherbenhaufen auf, ohne mit der Wimper zu zucken, nur den kühlen Duft von Rosen hinter sich lassend. Mit ihren Infos und ihrem Feingefühl hat sie still ein Netz über die Adern dieser Stadt gesponnen. Die meisten Wellen, egal wie schwach, schlagen unweigerlich darauf ein. Wobei sie am besten darin ist, Menschen zu lesen. Hathor, so ernst, dass sie fast schon stur ist, ist für kritische Einsätze eingeteilt und übernimmt Anomalien mit hohem Risiko oder Missionen, bei denen ein Versagen keine Option ist. Haniel und Illica, lebhaft und flink, eignen sich besser für den Umgang mit Leuten oder dafür, einen brillanten Einfall zu haben, wenn Situationen aus dem Ruder laufen. Was Manager Jenson und seine jüngsten Aktivitäten angeht … Er sollte wirklich ein besseres Versteck für seine Angelrute finden.

Öffentliche Zitate

„Bei Sterry … geht es darum, die richtigen Lieferungen in die richtigen Hände zu bringen.“ Kinder, die davon träumen, die Welt zu retten, fahren total auf solche Sprüche ab. „Gute Arbeit.“ Einfache, direkte Worte wie diese lassen einfache, direkte Kinder sich gelobt und motiviert fühlen. „Eine kluge Person wie du weiß, wie sie die richtige Wahl trifft.“ Im Umgang mit komplizierten Erwachsenen kann eine Mischung aus Druck und Überredung, eine tiefe Stimme und ein bestimmter Rhythmus sie … kooperativer machen. „Du siehst erschöpft aus. Willst du darüber reden?“ Ein sanfter, fürsorglicher Ton bringt manche Leute schneller dazu, ihre Deckung fallen zu lassen. Aber wenn man im Namen des Ladens handelt, egal wie viele Kunden hereinkommen, ist die beste Zeile natürlich immer: „Sterry-Express, zu Ihren Diensten!“

Rosensammler

Eine violett-blaue Rose. Ihre Farbe liegt irgendwo zwischen tiefem Purpur und Aschblau, die Blütenblätter rollen sich leicht am Rand und schimmern im Licht mit einem kalten, metallischen Glanz. Sie steht in einer schlichten weißen Porzellanvase, frisch gehalten in klarem Wasser, der Stiel steht gerade, offenbar gut gepflegt. Doch die Blätter nahe der Basis beginnen zu welken und zu ergrauen, als sei eine Lebenskraft leise abgesogen worden, sodass sie kaum noch ihre Form hält. Neben der Vase stehen mehrere andere Geschenke aus der Vergangenheit: Eine dunkelrote Rose, ihre Blätter brüchig wie Papier. Sie wurde einst mit einem Lächeln von einem Gast beim Anstoßen überreicht, obwohl das Gift in seinem Glas beinahe überlief, als sich ihre Hände berührten. Eine goldgesäumte Rose, deren Blattränder von Brandspuren geschwärzt sind. Sie stammte aus einem geflüsterten Ritual, ihr Geber bezeichnete sich als Anhänger, doch die Flammen gerieten außer Kontrolle, nachdem das Gebet gesprochen worden war. Und eine Rose, die fast bis zu blassem Grau ausgeblichen ist, persönlich von einem Klienten als Zeichen von Aufrichtigkeit überreicht, obwohl sich unter ihren Blättern ein Netz aus sorgfältig gesponnenen Lügen verbarg … Jede dieser Blumen markiert den Anfang einer Begegnung, ein Zeugnis einer Konfrontation. Die Informationen, die Energie, die in ihnen verborgene Tötungsabsicht … Sie verwandelt all das in Kugeln, verfolgt die Bahn des Moments, in dem sie ihr überreicht wurden, und gibt sie dann lautlos an die zurück, die sie angeboten haben.

Unkonventionelle Antworten

Jiuyuans Aktion, Hathor zurückzuholen, nachdem das Büro sie wegen des Kontrollverlusts ihrer Esper-Fähigkeiten abgeführt hatte, war das Ergebnis umfangreicher Koordination. Der Kontrollverlust selbst war nicht das Problem. Entscheidend war, wie man mit den Folgen umging, und das war die erste Lektion, die Jiuyuan als Mentorin ihr beibringen musste. Von diesem Tag an verdoppelte Hathor ihr Trainingspensum auf eigene Faust. Ihre Bewegungen wurden schneller, ihre Entscheidungen schärfer; sie tauschte Erschöpfung gegen Stabilität. Ihr Ausdruck blieb ruhig, doch ihr Rhythmus wurde unregelmäßig. Jiuyuan kannte diesen Zustand nur zu gut: Je mehr man sich beeilt, Macht zu meistern, desto leichter meistert die Macht einen selbst. Sie stoppte das Training nicht und mahnte sie auch nicht eindringlich, es nicht zu übertreiben. Manche Schüler verwechseln Erinnerungen mit Warnungen und interpretieren Fürsorge als Hinweis, nicht genug zu geben. Statt Hathor diese Erinnerungen heimlich als neuen Maßstab zum Weiterpushen nutzen zu lassen, war es besser, sie dort trainieren zu lassen, wo Jiuyuan sie beobachten konnte. Mit einem wachsamen Auge würde nichts schiefgehen. Aber die Natur von Sterrys Arbeit erlaubte es Jiuyuan nicht, dauerhaft hinter Hathor zu stehen. Wie konnte sie den Weg ebnen, ehe sie losließ? Was sie nicht erwartet hatte: Die Lösung fand ihren Weg zu ihr. Haniel, die zufällig an der Szene des Kontrollverlusts vorbeikam, hatte überraschenderweise die Fähigkeit, sie zu beruhigen. Und wie es der Zufall wollte, interessierte sich das Mädchen auch für Kurierarbeit … Alles fügte sich zusammen. Hathors Ausführung und Kampfkunst waren makellos, doch im Umgang mit anderen wirkte sie oft unbeholfen. Als die beiden kleinen Eulenküken zum ersten Mal auftauchten, begegnete Hathor ihnen wie jemand, der in ein Buch ohne Anleitung blättert: vorsichtig, aber nicht wissend, wo er anfangen soll. Die verkrampfte Stimmung im Laden entging Jiuyuan nicht. Mit einer seltenen Geste gab sie Hathor einen Sonderauftrag: Bemüh dich, die heutige Jugend zu verstehen und dich in ihr Leben einzufügen. Bei dem Gedanken, wie die stets methodische Hathor diesen Auftrag erfüllte, konnte Jiuyuan, die sonst so beherrscht war, zum ersten Mal ein Lächeln nicht unterdrücken. Was Jiuyuan immer gewusst, Hathor aber noch nicht begriffen hatte, war dies: Diese hartnäckig ehrliche Aufrichtigkeit von ihr, fast unbeholfen in ihrer Beharrlichkeit, war genau die richtige Art, mit ihnen in Kontakt zu treten. Im Alltag zeigten sich Veränderungen: Beliebte Comics tauchten auf ihrem Schreibtisch auf, und an freien Tagen ging sie mit Haniel und Illica in Livehouses statt allein im Trainingsraum zu bleiben. Gelegentlich schlichen sich neue Wörter in ihre Gespräche, die sie vorher nie benutzt hatte. Obwohl Hathor sich ständig um das Risiko eines Kontrollverlusts sorgte, schmolz vieles ihrer Anspannung im Lachen und Spiel des Alltags bei Sterry dahin. Nach einer Esper-Kontrollstunde neckte Jenson, der zugesehen hatte, sie: „Du hast sie so lange betreut, und jetzt wird sie wegen dieser beiden kleinen Eulenküken so beliebt. Wie fühlt sich das an?“ „Ich dachte, du denkst nur noch ans Angeln. Sieht so aus, als hättest du deinen Instinkt als Informationsagent noch nicht ganz verloren.“ Hathors Ton war flach wie immer: „Soll ich jetzt gleich noch einen Test für Kontrollverlust durchführen?“ Jiuyuan warf einen Blick zu Jenson, der schweigend die Renovierungskosten durchrechnete, falls Hathor absichtlich die Kontrolle verlieren sollte, und musste lächeln. „Nicht nötig. Das passt schon alles so.“ Man muss eine Schülerin nicht zu einer standardisierten Antwort formen. Sie kann langsam sie selbst werden.

Eine ruhige Routine nimmt Gestalt an

Die Einkaufsliste zum Jahresende lag, wie immer, in Jiuyuans Verantwortung. Aber dieses Jahr war es beim Einkaufen etwas anders. Sobald Haniel und Illica, die gerade erst dazugekommen waren, von den Jahresend-Einkäufen hörten, bestanden sie sofort darauf, noch eine Feier hinzuzufügen, die nicht im ursprünglichen Plan war. Und so wurde aus der einst ordentlichen, einfachen Liste ein Ausflug für uns fünf. „Jiuyuan! Wir brauchen Blumen, Luftballons, Scheinwerfer … und Kuchen!“ „Und einen Aufsteller!“ „… Was ist ein Aufsteller?“ „Du weißt schon, so ein Poster-Dings mit deinem Foto, das man am Eingang hinstellt. Hathor, willst du’s versuchen?“ „Das wird nicht nötig sein … Master.“ „Und Geschenke? Es sollte wenigstens Geschenke geben!“ „Natürlich bekommt jeder eins.“ „Hehe, Jiuyuan ist die Beste!“ „Und Jenson? Hat er uns Geschenke besorgt?“ „Die heutige Rechnung läuft auf seinen Namen.“ „Jenson ist so großzügig!“ „Dann schreibe ich noch ein paar neue Comics auf!“ „Und die CD, die ich letztes Mal nicht bekommen habe!“ „… Na gut, kauft alles ein.“ Die Liste wurde immer wieder überprüft, überarbeitet und ergänzt. Während die beiden kleinen Eulen eifrig jedes Kästchen mit Jenson bestätigten, stand Jiuyuan abseits und atmete leise aus. Ein bisschen laut, ein bisschen chaotisch. Aber in Momenten wie diesen können die Abrechnungen warten und Pläne etwas verschoben werden. Solche Momente … sind gar nicht so schlimm.

Deckname: Nachtigall

Zu diesem Zeitpunkt war Jiuyuan keine Anfängerin mehr, bei der gerade erst ihre Esper-Fähigkeiten erwacht waren. Dennoch stand sie noch vor der letzten Schranke einer starren Hierarchie: Sie musste sich einen Decknamen verdienen, der wirklich ihr eigener war. Die Prüfung ließ nicht lange auf sich warten. Es war ein Straßenkampf in einer Gasse, begleitet von den üblichen Verrätereien und Überläufern, die in diesem Geschäft allzu häufig vorkamen. Ihre Gruppe geriet in eine vollständige Hetzjagd. Der Wert ihrer Informationen, ihr Ruf im Milieu und die fanatische Absicht des Feindes, sie zum Schweigen zu bringen, trieben die gesamte Einheit tief in die Schatten der Gasse. Versorgung abgeschnitten, Kräfte erschöpft, die Außenwelt verschwommen, und die Nacht legte sich über jeden Nachteil. Was die perfekte Deckung des Feindes hätte sein sollen, wurde zum Rhythmus, den Jiuyuan am besten kannte. Ihre Schritte waren nahezu lautlos, und doch fand sie jeden Feind mit Präzision durch das Netz aus Schüssen und Körpern. Ein schwacher Schein wellte durch die düstere Luft wie Wasser, gefolgt von einem klaren, schlanken Ruf. Kalt und unnachgiebig, durchdrang er direkt die Seele. Wer ihn hörte, spürte sein Blut augenblicklich kalt werden. Immer wenn dieser Ton ein Ohr streifte oder eine Schulter berührte, entfaltete sich ein Schimmer rosafarbenen Lichts, der sich dann zu einer schlanken Kugel verdichtete, bevor er in den Körper des Ziels eindrang. Keine Explosion, kein Kampf. Im Augenblick des Aufpralls schienen alle Geräusche zu verstummen; es blieb nur die stille Endgültigkeit. Als die letzte Note, wie ein Vogelruf, am Ende der Gasse verklang, kehrte wieder Stille in die Tiefe zurück. Die überlebenden Mitglieder lehnten an den kalten Mauern und sahen zu, wie die Gestalt aus Rauch und Dunkelheit auftauchte, der Rhythmus, der über Leben und Tod entschieden hatte, hallte noch in ihren Ohren nach. „Das war der einzige Ton, dem man in der Nacht trauen konnte.“ Später wurde das Feld für den Decknamen im Einsatzbericht mit ordentlicher Handschrift ausgefüllt: Nachtigall. Sie singt in der tiefsten Dunkelheit. Ihre Stimme bildet den Auftakt zum Tod und die Morgendämmerung für jene, die überleben.